Findlinge auf der Insel Rügen
Vom Nordstrand in Göhren aus wirkt der Buskam zunächst unscheinbar. Etwa 300 Meter vor der Küste liegt der dunkle Granitblock im Wasser. Nur ein Teil ist sichtbar. Der weitaus größere Abschnitt befindet sich unter der Wasseroberfläche oder im Meeresboden.
Erst die Zahlen vermitteln eine Vorstellung von seiner Größe. Das Volumen des Findlings wird mit etwa 600 bis 700 Kubikmetern angegeben. Sein Gewicht soll ungefähr 1.600 bis 1.800 Tonnen betragen. Damit gilt der Buskam als größter Findling Rügens und als einer der größten Findlinge Deutschlands.
Der Buskam ist jedoch nicht der einzige bemerkenswerte Stein der Insel. Rund um Lohme, am Kap Arkona, bei Sassnitz und auf Ummanz liegen weitere große Findlinge. Sie kamen während der letzten Eiszeit mit dem skandinavischen Inlandeis nach Rügen. Heute sind sie sichtbare Zeugnisse einer Zeit, in der mächtige Gletscher die Landschaft im Ostseeraum prägten.
Große Steine zwischen Küste und Wald
Rügen ist besonders reich an Findlingen. Die großen Einzelsteine liegen an Stränden, in Wäldern und in küstennahen Bereichen. Manche ragen weithin sichtbar aus dem Boden. Andere sind teilweise von Erde bedeckt oder liegen direkt am Ufer.
Besonders viele bekannte Findlinge befinden sich im Nordosten der Insel. Bei Lohme treffen mehrere geologisch und landschaftlich auffällige Steine aufeinander. Der Große Stein von Nardevitz liegt nördlich von Nardevitz im Übergang zwischen Wald und Küstenbereich. Er gehört zu den größten Findlingen Norddeutschlands und ragt deutlich aus dem Gelände hervor.
Nicht weit davon entfernt liegt der Schwanenstein. Ein großer Teil des Blocks ist sichtbar. Dadurch wirkt er besonders mächtig. Der Findling Blandow befindet sich nordöstlich von Blandow unmittelbar im Uferbereich. Er gilt als drittgrößter bekannte Findling der Insel Rügen.
Am Gellort nördlich von Kap Arkona liegt der Siebenschneiderstein. Der große Block befindet sich in der Nähe des Ufers und wird häufig als Ziel für einen Ausflug an den nördlichsten Küstenbereich Rügens genannt.
Auch bei Ruschvitz auf der Halbinsel Jasmund, im Raum Sassnitz und auf Ummanz liegen markante Steine. Sie unterscheiden sich nicht nur durch ihre Größe. Auch ihre Gesteinsarten und ihre vermutete Herkunft sind verschieden.
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Findling
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Lage
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Besonderheit
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Buskam
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Vor dem Nordstrand von Göhren
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Größter Findling Rügens und einer der größten Findlinge Deutschlands. Er liegt etwa 300 Meter vor der Küste im Wasser.
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Großer Stein von Nardevitz
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Nördlich von Nardevitz bei Lohme
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Einer der größten Findlinge Norddeutschlands. Er ragt im Wald und im Küstenbereich aus dem Gelände.
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Siebenschneiderstein
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Am Gellort nördlich von Kap Arkona
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Ein großer Findling im nördlichen Küstenbereich Rügens. Er liegt in Ufernähe.
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Schwanenstein
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Bei Lohme
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Ein küstennaher Block, von dem ein besonders großer Teil sichtbar ist.
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Blandow
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Nordöstlich von Blandow bei Lohme
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Der drittgrößte bekannte Findling der Insel Rügen. Er liegt unmittelbar am Ufer.
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Svantekahs
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Bei Ruschvitz auf der Halbinsel Jasmund
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Ein geschütztes Geotop. Der Stein stammt nach geologischer Zuordnung aus Småland in Schweden.
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Jastor
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Im Bereich von Sassnitz
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Der Findling besteht aus Hammer Syenogranit und stammt vermutlich aus dem Nordwesten Bornholms.
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Möwenstein
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Auf oder bei Ummanz
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Der Stein wurde während der Eiszeit vermutlich aus dem Raum Bornholm nach Süden transportiert.
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Der Svantekahs bei Ruschvitz ist als Geotop geschützt. Nach geologischer Zuordnung stammt er aus Småland in Schweden. Der Jastor im Bereich von Sassnitz besteht aus Hammer Syenogranit. Seine Herkunft wird im Nordwesten Bornholms vermutet.
Der Möwenstein zeigt, dass sich die Suche nach Findlingen nicht auf die offene Ostseeküste beschränken muss. Auch im westlichen Rügenraum sind große eiszeitliche Gesteine zu finden. Auf und bei Ummanz erinnert der Stein an die weiten Wege, die das Eis einst zurücklegte.
Wie die Findlinge nach Rügen kamen
Die Geschichte der Rügener Findlinge beginnt während der Eiszeiten. Damals lag die Insel im Einflussbereich des skandinavischen Inlandeises. Mächtige Gletscher bewegten sich langsam über den Norden Europas. Sie schoben Gestein vor sich her und nahmen auf ihrem Weg weitere Steine auf.
Die Herkunft dieser Gesteine lag unter anderem in Skandinavien, auf Bornholm und im südlichen Ostseeraum. Manche Blöcke wurden über viele Kilometer transportiert. Als das Eis zurückging, blieben sie dort liegen, wo die Gletscher sie abgelagert hatten.
Viele Findlinge waren zunächst nicht sichtbar. Sie verschwanden unter Erde, Sand und jüngeren Ablagerungen. Erst die natürliche Veränderung der Landschaft legte sie wieder frei. Auf Rügen spielt dabei vor allem die Küstenerosion eine wichtige Rolle.
Wind und Wellenschlag tragen die Küsten an vielen Stellen langsam ab. Auch Uferabbrüche verändern die Landschaft. Dadurch können Steine zum Vorschein kommen, die lange Zeit im Boden verborgen waren. Besonders an Steilküsten und Geschiebestränden wird sichtbar, wie stark die Insel bis heute durch natürliche Kräfte verändert wird.
Die einzelnen Findlinge bestehen aus unterschiedlichen Gesteinsarten. Ihre mineralische Zusammensetzung kann Hinweise auf ihre Herkunft geben. Beim Jastor lässt sich beispielsweise eine Verbindung zum Gestein Bornholms vermuten. Der Svantekahs wird geologisch Småland in Schweden zugeordnet. Der Buskam besteht überwiegend aus Granit.
Auch die Angaben zu Größe und Gewicht sind nicht immer exakt. Beim Buskam ist nur ein Teil des Steins sichtbar. Deshalb hängt die Berechnung davon ab, wie groß der unter Wasser liegende Bereich eingeschätzt wird. Als Richtwert gelten etwa 600 Kubikmeter und ungefähr 1.600 Tonnen. Andere Angaben gehen von bis zu 700 Kubikmetern und einem Gewicht von etwa 1.800 Tonnen aus.
Wer Findlinge auf Rügen entdecken möchte, findet besonders interessante Bereiche an diesen Orten:
- Am Nordstrand von Göhren ist der Buskam bei ruhiger See vom Ufer aus zu erkennen.
- Rund um Lohme liegen der Schwanenstein, der Große Stein von Nardevitz und der Findling Blandow.
- Die Küsten bei Sassnitz und die Halbinsel Jasmund führen zu weiteren eiszeitlichen Gesteinen.
- Am Gellort befindet sich der Siebenschneiderstein in der Nähe von Kap Arkona.
- Bei Ruschvitz liegt der geschützte Findling Svantekahs.
- Auf oder bei Ummanz kann der Möwenstein im westlichen Rügenraum aufgesucht werden.
Nicht jeder Stein ist unmittelbar zugänglich. Einige Findlinge liegen in Ufernähe, andere befinden sich in Wäldern oder an schwer begehbaren Küstenabschnitten. Steilküsten, lockere Böden und rutschige Wege können gefährlich sein. Die jeweiligen Wege und Schutzbestimmungen sollten deshalb beachtet werden.
Der Buskam darf nicht betreten werden. Auch andere Findlinge sollten weder beklettert noch verschoben oder beschädigt werden. Viele der großen Steine sind als Geotope oder Naturdenkmale geschützt. Ihr Wert liegt nicht allein in ihrer Größe. Sie dokumentieren die Entstehung und Veränderung der Rügener Landschaft.
Zwischen Naturgeschichte und früher Kultur
Die Findlinge gehören nicht nur zur Geologie Rügens. Sie sind auch mit der Geschichte der Menschen auf der Insel verbunden. Bereits in der Jungsteinzeit wurden große Steine als Baumaterial verwendet.
Aus Findlingen entstanden Dolmen, Großsteingräber und andere megalithische Anlagen. Die schweren Blöcke wurden vermutlich mit großem Aufwand bewegt und in die Bauwerke einbezogen. Damit wurden sie Teil von Orten, die für die damaligen Gemeinschaften eine besondere Bedeutung besaßen.
Auf Rügen treffen deshalb zwei weit zurückliegende Epochen aufeinander. Die Gletscher brachten die Steine während der Eiszeit auf die Insel. Viele Jahrtausende später nutzten Menschen sie für ihre Bauwerke und Begräbnisstätten.
Diese Verbindung macht die Findlinge besonders interessant. Ein großer Stein erzählt zunächst von Eis und Gletschern. Bei genauerem Blick verweist er aber auch auf die Menschen, die ihn in ihre Kultur einbezogen. Naturgeschichte und Menschheitsgeschichte liegen hier unmittelbar beieinander.
Der Buskam vor Göhren ist das bekannteste Beispiel für die gewaltigen Kräfte der Eiszeit. Der Siebenschneiderstein zeigt, wie eng die Findlinge mit der Küstenlandschaft am Kap Arkona verbunden sind. Rund um Lohme wird deutlich, wie viele große Blöcke in einem vergleichsweise kleinen Gebiet liegen. Der Svantekahs, der Jastor und der Möwenstein ergänzen das Bild durch ihre besondere geologische Herkunft.
Wer auf Rügen nach Findlingen sucht, entdeckt daher mehr als einzelne Steine. Die Blöcke geben Hinweise auf die Wege des Eises, auf die Entwicklung der Küsten und auf die frühe Nutzung der Landschaft. Sie machen sichtbar, wie eng Rügens Natur und Geschichte miteinander verbunden sind.
Ein Besuch lohnt sich besonders dann, wenn genügend Zeit für die Umgebung bleibt. Der Blick auf einen Findling lässt sich mit einer Küstenwanderung, einem Abstecher in den Wald oder einem Ausflug zu historischen Stätten verbinden. So wird aus der Suche nach großen Steinen eine Reise durch die Landschaftsgeschichte der Insel.



